Hedonistische, materialistische, post-alternative Wechselspannungen wurden sich von ihr einst versprochen. Darüber hinaus ist sie mein kleines Refugium im Netz. Herzlich Willkommen.
Es begann im Sommer des Jahres 2007. Ich werde ziemlich verschlafen darauf aufmerksam, dass es “Blogs” gibt. Aha, es schreiben Leute ins Netz. Damals war es noch ein wenig mehr Internet-Tagebuch und weniger Social Media. Es gibt noch Diskussionen über Katzen-Content. Ich freue mich über diese Idee, setze selbst eine WordPress-Installation auf. Überhaupt das erste Mal, dass ich über Webspace und eine eigene Domain verfüge.
Ich lege also los und bin begeistert. Allerdings von den anderen Blogs. Immer mehr wird entdeckt, immer mehr wird gelesen, immer mehr wird abonniert. Es bleibt ein wenig das Gefühl, ganz knapp die wirklich aufregende Zeit verpasst zu haben. Ist der Zenit etwa schon erreicht? Zur gleichen Zeit verliebe ich mich gleich zweimal. In Podcasts und in meine Frau. Die Stromzufuhr bekommt einen etwas breiteren Rahmen, das erste Mal wird das Theme gewechselt. Es sollte weiß Gott nicht das letzte Mal sein. Die Frau schreibt also vorübergehend mit und augenzwinkernd nennt sich die Stromzufuhr kurzzeitig Stromzufuhr 2.0, dabei ist sie bis heute höchstens beta.
Die Frau und ich, wir beginnen zu podcasten. Rund zwei Dutzend Zehnminüter über die wirklich wichtigen Fragen des Lebens. Kurzer Ruhm wird ihr beschert, als das Basic Thinking Blog, damals noch von Robert Basic geführt, mehrfach auf sie verlinkt. Die Statistik geht hoch, der Druck wächst, die Lust sinkt. Die Stromzufuhr zerbricht an ein paar lächerlichen hundert Pageviews. Der Podcast wird eingestellt, die Frau steigt wieder aus. Wir machen ein Kind und heiraten.
Hedonistische, materialistische, post-alternative Wechselspannungen wurden hier einst versprochen.
Seitdem fristet die Stromzufuhr ein bescheidenes Dasein. Immer mal wieder gibt es kurze Schübe, kurze Aufbegehren gegen die große Stille, meistens dann, wenn ihr auch ein neues Aussehen beschert wurde. Mittlerweile wurden ihr viele verschiedene Kleider verpasst. Die Stromzufuhr hat vermutlich mehr Kleider gewechselt, als sie Beiträge produziert hat. Sie wird weiter oberflächlich. Und doch schlummern in ihr noch viele, längst tot geglaubte, Ideen und die leise, kleine Hoffnung, dass sie doch noch aufbricht. Dass sie doch noch das Netz verschmutzt, nicht nur benutzt. Die Stromzufuhr ist noch nicht gekappt und die Hoffnung stirbt zuletzt.