Beschwörungen

Beschwörungen

22.02.2010

Nach Jahren habe ich es endlich mal wieder geschafft ein klassisches Konzert zu besuchen. Und zum ersten Mal bei den Bielefelder Philharmonikern. Während ich 2010 in Sachen Oper immerhin schon die Bohème in Frankfurt und die Carmen in Bielefeld gesehen, wo ich die Bielefelder Philharmoniker bereits hören konnte, war ein Konzert schon sehr lange überfällig. Es hat sich gelohnt.

Aber nun endlich wieder ein Konzert, gehört und gesehen in der Rudolf Oetker-Halle. Es ist schon interessant die Linie 4 mit der gesamten ergrauten Seniorität Bielefelds zu verlassen. Würde mich freuen, wenn das terminlich mal mit einem Arminia-Spiel zusammenfiele. Welch lustige Fahrgemeinschaft. Im “kleinen Saal” kann man sich fünfundvierzig Minuten vor Beginne des Konzerts kostenlos einen Vortrag zum gewählten Programm anhören und so gleichzeitig üben, an den richtigen Stellen gewichtig wissend zu nicken.

Auf dem Programm stand zunächst ein Rendering von Luciano Berio, nach den letzten Skizzen, die Franz Schubert auf seinem Sterbebett so zu Papier gebracht hat. Das modernste Stück im Programm, aber für ein modernes Stück doch noch recht gut zu verfolgen, was unter anderem auch am Einführungsvortrag und einigen Klangbeispielen, die das Orchester unter Peter Kuhn vor dem eigentlichen Programm spielte, lag.

Danach wurde es dann schlagartig romantisch. Vor der Pause gab es das Violinkonzert von Robert Schumann, als Solist gastierte Ingolf Turban, unter anderem bekannt für seine Paganini-Interpretationen. Pause: graue Haare, wohin das Auge blickt, aber auch hier gibt es wieder ein, zwei Typen im Kapuzenpulli, die aussehen wie Jack Nicholson und ihr mitgebrachtes Butterbrot verschlingen. Die gibt es immer. Nach der Pause gab es schließlich die 5. Symphonie von Felix Mendelssohn-Bartholdy, die sogenannte Reformations-Symphonie. Spätestens hier war ich überzeugt.

Mag sein, dass es am populärem Stück lag, oder daran, dass ich mich in der Pause umgesetzt hatte und nun besser hören und sehen konnte. Hier ist der zweite Satz zu sehen, allerdings mit Ton Koopman und dem Dutch Radio Chamber Orchestra.


Dies wird jedenfalls nicht mein letzter Besuch gewesen sein. Und da ich als Student noch nicht einmal 7 Euro bezahlt habe, kann ich bei über zwei Stunden Konzert plus Einführung wirklich nicht meckern und wenn es nicht ausverkauft ist kann man sich spätestens zur zweiten Hälfte ja auch noch umsetzen. Bravo!

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